
Ein Gericht in New Mexico hat Meta zu einer Zahlung von 567 Millionen US-Dollar verurteilt. Der Grund: Das Unternehmen hat Minderjährige auf Facebook und Instagram nicht ausreichend geschützt. Richter Bryan Biedscheid nannte die Plattformen einen wesentlichen Mitverursacher einer Jugendpsychiatrie-Krise im Bundesstaat.
Es handelt sich um die zweite Phase eines Verfahrens. New Mexicos Generalstaatsanwalt Raúl Torrez hatte die Klage bereits 2023 eingereicht. In der ersten Phase sprach eine Jury im März schon 375 Millionen US-Dollar Schadenersatz zu, weil Meta junge Nutzer:innen nicht ausreichend vor sexuellen Übergriffen schützte. Zusammengerechnet steigt die finanzielle Belastung für Meta damit auf insgesamt 942 Millionen US-Dollar.
Das ändert sich jetzt für Minderjährige auf Instagram und Facebook
Neben der Zahlung ordnete das Gericht mehrere strukturelle Änderungen an:
- Accounts von Minderjährigen sind künftig standardmäßig privat
- Erwachsene können nicht mehr automatisch mit Teenager-Accounts in Kontakt treten, Meta schlägt Konten von Minderjährigen Erwachsenen auch nicht mehr aktiv vor
- Like-Zahlen bleiben für Minderjährige standardmäßig verborgen
- Push-Benachrichtigungen sind für Nutzer:innen unter 18 Jahren täglich zwischen 22 und 7 Uhr gesperrt, während des Schuljahres zusätzlich zwischen 8 und 15 Uhr
- Eine verbindliche Obergrenze von 90 Stunden im Monat gilt für Facebook und Instagram zusammen, im Schnitt also rund drei Stunden täglich
- Minderjährige in New Mexico dürfen keine romantischen oder sexualisierten Interaktionen mit Metas KI-Chatbots mehr führen
Warum die 90-Stunden-Grenze der eigentliche Wendepunkt ist
Die meisten dieser Maßnahmen sind für Meta kein Neuland. Private Standardeinstellungen und eingeschränkten Erwachsenenkontakt setzt der Konzern nach eigenen Angaben bereits um. Neu und einschneidend ist vor allem die Nutzungsgrenze.
Genau das macht dieses Urteil bemerkenswert. Es geht längst nicht mehr nur um eine hohe Geldstrafe. Ein Gericht schreibt Meta erstmals ganz konkret vor, wie lange und unter welchen Bedingungen Minderjährige die Plattformen überhaupt nutzen dürfen.
Wohin das Geld fließt und wo das Urteil Grenzen hat
Rund drei Viertel der 567 Millionen US-Dollar, also etwa 420 Millionen, fließen über die kommenden fünf Jahre direkt in Behandlungsangebote für betroffene Jugendliche. Der Rest verteilt sich auf Aufklärung, Prävention, Diagnostik sowie Koordination und wissenschaftliche Auswertung.
Der Bundesstaat forderte allerdings mehr, als das Gericht am Ende zusprach. Eine unabhängige Kontrollinstanz zur Überwachung von Meta lehnte der Richter ab, ebenso Änderungen am Empfehlungsalgorithmus selbst, das Gericht sieht darin einen möglichen Konflikt mit dem ersten Verfassungszusatz und mit Section 230.
Bei der Altersverifizierung für Kinder unter 13 Jahren gibt es zudem widersprüchliche Berichte. US-Medien sprechen von einer fortlaufenden Verpflichtung Metas, ein deutscher Bericht nennt dagegen ausdrücklich ein Verbot verpflichtender Altersnachweise wegen des Datenschutzgesetzes COPPA. Eine zuverlässige technische Lösung fehlt ohnehin bislang.
Was das für andere US-Bundesstaaten bedeuten könnte
Genau diese Detailtiefe macht das Urteil für die gesamte Branche interessant. Australien hat Minderjährigen soziale Netzwerke komplett verboten, doch viele Teenager umgehen das Verbot einfach mit falschen Altersangaben. New Mexico setzt stattdessen auf klar definierte Nutzungsgrenzen und Zeitfenster, ein Modell mit Signalwirkung.
Mehr als 30 US-Bundesstaaten führen aktuell ähnliche Klagen gegen Meta, im August beginnt zudem ein weiterer Prozess in Oakland, Kalifornien. Meta selbst kündigte bereits an, das Urteil anzufechten, ein Unternehmenssprecher betonte das Vertrauen in die eigenen Schutzmaßnahmen.
Für Marken, die Instagram und Facebook zur Ansprache jüngerer Zielgruppen nutzen, sind die negativen Auswirkungen von Instagram auf junge Nutzer:innen ohnehin kein neues Thema. Strengere Regeln in einem Bundesstaat markieren oft nur den Anfang einer breiteren Entwicklung.
Blogger in Charge bei Futurebiz, Speaker, Autor und Senior Digital & Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. Jan Firsching berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien. Zu Futurebiz Consulting
Blogger in charge at Futurebiz. Speaker, author and senior digital & social media consultant at the BRANDPUNKT agency. Jan Firsching advises brands and companies on the development and implementation of digital and social media strategies.



